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1. Januar 2019

Der Traum von Gold bei den Paralympics in Tokio – für Para-Schwimmerin Elena Krawzow ein Ziel in greifbarer Nähe

 

 

Im Gespräch mit Elena Krawzow, Schwimmerin des Deutschen Behindertensportverbands und Gold-Gewinnerin der Weltmeisterschaften in London 2019

Ein Sieg bei den Paralympics ist das höchste Ziel, das sich ein Para-Sportler setzen kann, es ist die Erfüllung eines Traums, für den die Athleten viele Jahre lang hart trainieren. So auch die Berliner Para-Schwimmerin Elena Krawzow. Das Ziel der Ausnahmeathletin ist die Goldmedaille bei den Paralympics in Tokio im kommenden Jahr.

Der erste Platz über 100 Meter Brustschwimmen bei den Europameisterschaften 2018 und jetzt auch noch die Goldmedaille in derselben Disziplin bei den Weltmeisterschaften in London – es scheint, als hätten Sie den Erfolg aktuell gepachtet.

Momentan könnte es tatsächlich nicht besser laufen. Allerdings steckt dahinter auch harte Arbeit. In der Vergangenheit hat es auch schon manche Rückschläge gegeben, doch ich freue mich natürlich, dass ich aktuell in Topform bin und in jüngster Zeit so große Erfolge feiern konnte.

Jetzt heißt es für mich, nach vorne zu blicken und mich ganz auf die bevorstehenden Wettkämpfe zu fokussieren. Nur so kann ich weiterhin erfolgreich meinen Sportlertraum leben und meine Ziele erreichen.

Apropos bevorstehende Wettkämpfe: im kommenden Jahr stehen die Paralympics in Tokio an. Wie bereiten Sie sich auf so einen großen Wettkampf vor?

Die Vorbereitung auf die Paralympics bedeutet für Athleten vor allem eines: viel Disziplin und hartes Training. Allerdings habe ich auch gelernt, nicht zu verbissen an die Sache heranzugehen. Inzwischen erlaube ich mir viele Dinge, die ich mir früher selbst verboten habe. Dazu gehört, abends auch mal tanzen zu gehen.

Außerdem habe ich mein Selbstvertrauen, das für einen Sportler so essenziell ist, durch den Sieg bei den Weltmeisterschaften in London noch einmal stärken können. Das ist eine sehr wichtige Voraussetzung, da es für einen Sieg bei den Paralympics nicht ausreicht, „nur“ körperlich topfit zu sein. Man muss auch mental bereit sein, einen solchen Wettkampf zu bestreiten und gegen die Weltelite im Schwimmsport anzutreten.

Donnerstag, 12.09.19 - Tag 4 im London Aquatics Centre - Finale. Foto: Ralf Kuckuck, DBS-Akademie gGmbH

Tag 4 im London Aquatics Centre – Finale. Foto: Ralf Kuckuck, DBS-Akademie gGmbH

Was bei all ihren Erfolgen überrascht – Sie kamen erst sehr spät zum Leistungssport. Wie haben Sie Ihre Leidenschaft zum Schwimmen gefunden?

Tatsächlich habe ich eher durch Zufall mit dem Sport begonnen. Eigentlich wollte ich nie ins Wasser und konnte auch bis zu meinem 13. Lebensjahr überhaupt nicht schwimmen.

Dann hat mich aber mein erster Trainer Michael Heuer zum Sport animiert und mir die unterschiedlichsten Disziplinen beigebracht. Als er mich schließlich für das Schwimmen begeistern wollte, war ich zunächst skeptisch. Dann hat es aber doch viel besser geklappt, als erwartet und seitdem bin ich dabeigeblieben. Als sich dann die ersten Erfolge einstellten, war das eine tolle Bestätigung für mich.

Inwiefern hat Ihre Einschränkung im Alltag Ihr Durchsetzungsvermögen geprägt?

Ich sehe meine Erkrankung inzwischen nicht mehr als Einschränkung. Natürlich hat sie mich vor einige Herausforderungen gestellt. So musste ich beim Schwimmen zunächst lernen, wie ich es schaffe, nicht an den Beckenrand zu stoßen und die Wende rechtzeitig einzuleiten – eine Schwierigkeit, die für einen normalen Sportler in aller Regel kein Problem ist. Gleichzeitig hat mich meine Erkrankung aber auch unglaublich gestärkt. Ich habe gelernt, mich gegen Widerstände zu behaupten – eine Fähigkeit, die in meinem Sport außerordentlich hilfreich ist.

Sportabzeichen-Tour 08.06.2016 in Xanten "Citius - Altius - Fortius" Foto: Ralf Kuckuck, DBS-Akademie gGmbH

Sportabzeichen-Tour 08.06.2016 in Xanten
„Citius – Altius – Fortius“ Foto: Ralf Kuckuck, DBS-Akademie gGmbH

Im Gegensatz zu anderen Sportarten stehen dem Schwimmsport nicht so viele Gelder zur Verfügung. Wie sieht es mit Unterstützung für Sie und Ihren Sport aus?

Ohne Unterstützung und finanzielle Hilfen hätte ich meine Leistungen sicherlich nicht in dieser Form erbringen können. Daher bin ich sehr dankbar, dass ich das große Glück habe, von Partnern wie der Spielbank Berlin gefördert zu werden. Sie unterstützt meine sportlichen Aktivitäten und begleitet mich auf meinem Weg zu den Paralympics. Die Wahrnehmung für den Para-Sport ist in jüngster Zeit deutlich gestiegen, was natürlich auch dazu führt, dass Sportlern wie mir von Unternehmen wie der Spielbank unter die Arme gegriffen wird.

Wie stellen Sie sich Ihre Zeit nach der Sportlerkarriere vor? Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Momentan konzentriere ich mich komplett auf das Schwimmen und hoffe, dass ich die nächsten Jahre weiterhin so erfolgreich Sport machen kann. Aber natürlich habe ich mir auch schon Gedanken über die Zukunft gemacht. Durch meine Ausbildung zur Physiotherapeutin habe ich immer die Möglichkeit, doch nochmal einen anderen Weg zu gehen. Das gibt mir Sicherheit und eine Perspektive – selbstverständlich steht aber erstmal eine Medaille in Tokio an!